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100 Jahre Esperanto in Herzberg am Harz


100 Jahre Esperanto in Herzberg am Harz
 
Durch das Herzberger Rathaus erfuhr unlängst das Esperanto-Centro in der Esperanto-Stadt, dass zumindest schon seit März 1910 die ersten Esperanto-Freunde in Herzberg ansässig waren.
Zu diesen Pionieren gehörten der Apotheker Felix Baitz (Hauptstr. 16) sowie der Buchdruckereibesitzer und Zeitungsverleger Alfred Preiss (Hauptstr. 12). 
 
Annahmsweise brachte Felix Baitz, der im Jahre 1908 nach Herzberg kam, entsprechende Informationen über die in Deutschland noch neue Internationale Sprache (Esperanto) mit. Diese frühe Herzberger Esperanto-Gruppierung wurde auch von der größeren Esperanto-Gruppe in Hannover unter dem Vorsitz von Otto Gottgetreu gestützt. 
 
Die Herren Baitz und Preiss aus Herzberg am Harz hielten auch entsprechende Prospekte bereit und waren gern bereit, Anfragen zu beantworten. Sie wollten von Herzberg aus im Südharzraum für diese Brückensprache Reklame machen und einige neue Esperanto-Vereine ins Leben rufen.
 
Dies geht aus einem Artikel der Kreis-Zeitung (Anzeiger für das Fürstentum Grubenhagen sowie Publikationsorgan des Königlichen Amtsgerichts und des Magistrats zu Herzberg am Harz) vom 10. März 1910 hervor. Diese Informationen sind neu, denn das Esperanto Centro hatte bislang keine diesbezügliche Geschichtsforschung „vor Ort“ betrieben. 
Bereits während des 1. Weltkrieges kam die Herzbergerin Wilhelmine Schnell im Rheinland mit dieser Sprache in Berührung. Von 1933 bis 1945 war Esperanto auch in Deutschland verboten. In den fünfziger Jahren unterrichtete der Herzberger Realschullehrer Pitzner Esperanto und baute in Herzberg eine Gruppe auf. Im Jahre 1959 gab es laut Herzberger Zeitung bereits einen Esperanto-Kursus im Herzberger Rathaus.
 
Mitte der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts kam aus Braunschweig Joachim Gießner nach Herzberg, der hier Bahnhofsvorsteher wurde. Er war für diese logische Zweitsprache eine europaweite Koryphäe, z.B. für die Organisation von internationalen Kongressen, Sprachkursen (sogar in der Türkei), die Übersetzung von über 400 Liedern verschiedener Genre ins Esperanto, Kursleiter, Fachmann für Terminologie. Er war jahrzehntelang Präsident des Internationalen Fachverbandes für Eisenbahner und ca. 50 Jahre Vorsitzender des deutschen Eisenbahner-Fachverbandes. Ein besonderes Denkmal zu Ehren dieses Pioniers für praktische Völkerverständigung befindet sich am Parkstreifen des Herzberger Bahnhofs.
 
Bei ihm lernten z.B. August Bierwirth, Ulrich Mattke, Familie Walter Lange, Familie Schöndube, Familie Wolfgang Zietz, Friedrich Panknin, Peter Zilvar und viele andere diese neutrale Brückensprache. Alfons Hoffmann, Walter Lange und Ulrich Mattke hatten seit über 30 Jahren viele Gesangsauftritte bei deutschen und internationalen Kongressen und haben dadurch auch die Stadt Herzberg am Harz bekannt gemacht.
 
Seit 1976 gibt es die pausenlos aktive Esperanto-Gesellschaft Südharz mit Sitz in Herzberg. Der Harzkurier informiert öfters über verschiedenartige regionale und internationale Aktivitäten des Esperanto-Centro. Langjährige Aktivisten für diese neutrale internationale Kommunikationsidee sind z.B. Harald Mantz und Otto Kern. Im Herzberger Esperanto-Centro wird in den letzten Jahren auch eine der bedeutendsten Fachbibliotheken mit einem beacht-lichen Archiv aufgebaut. Diese Bestände sind für Forschung und Lehre besonders wichtig.
 
In Herzberg befindet sich die Filiale des Deutschen Esperanto-Bundes für Weiterbildung und Kultur und ferner der Sitz des Verbandes der Deutschen Esperanto-Lehrer.
Seit Juli 2006 hat Herzberg am Harz den offiziellen Beinamen „…die Esperanto-Stadt“.
Am 10.03.2010 (nach nunmehr 100 Jahren Esperanto in Herzberg) findet eine kleine Feier im Esperanto-Centro statt. 
 
Am 25.03.2010 erfolgt aus diesem Grunde ein Empfang im Herzberger Rathaus beim Bürgermeister Gerhard Walter. Dazu ist auch der Apotheker Hans Werner Baitz – als Enkelsohn des ersten bekannten Herzberger Esperanto-Pioniers Felix Baitz - herzlich eingeladen. 
 
13.03.2010
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